1. Das Original
Der
Bücker Bü 133C Jungmeister war über Jahrzehnte hinweg
das erfolgreichste und beste Kunstflugzeug der Welt. Schon Ende
der dreißiger Jahre wurde der Jungmeister das Standardflugzeug
für die Kunstflugausbildung, auch bei der deutschen Luftwaffe.
Nur wenige Monate vor Kriegsbeginn 1939 entstand unter der Führung
von Hauptmann Trübenbach eine Kunstflugstaffel der deutschen
Luftwaffe. In Vorbereitung auf das internationale Militär-Fliegertreffen
in Brüssel, trainierte im Mai 1939 die Staffel auf dem Bücker-Gelände
in Rangsdorf. Ausführlich
berichtete darüber die Bücker-Werkszeitschrift vom Oktober
1939. Es hieß wörtlich „Die Vorführungen der Kunstflugstaffel in Rangsdorf als Auftakt zum großen internationalen Militärflugtreffen in Brüssel waren für den Beschauer ein Erlebnis besonderer Art. Nicht das ohrenbetäubende Aufheulen starker Motore, sondern die leichte Eleganz und überzeugende Präzision sind die Merkmale der deutschen Kunstflugstaffel.“ und „Nicht nur auf unserem Werksflugplatz, an den Fenstern der Büros oder in den offenen Toren der Fabrikationshallen sah man begeisterte Zuschauer, auch auf den Straßen und Plätzen von Rangsdorf staunten die Menschen zum Himmel.“ und „Es war schon wirklich etwas Besonderes, was die schnittigen neun Jungmeister in der Hand ihrer Piloten an den Rangsdorfer Himmel zauberten. Eine Figur immer schöner als die andere, so flogen sie ihr 25-Minuten-Programm, das in Brüssel so großen Beifall gefunden hat. Ob sie dicht aufgeschlossen den Looping, eine lange Rauchfahne hinter sich herziehend ob sie das Loopingrad an den Himmel zeichneten oder mit einer Rolle die Wirkung eines riesigen, sich drehenden Uhrzeigers erzielten, jedes Mal bewiesen sie eine in langem Training und durch vollendetes fliegerisches Können erzielte Präzision und Einheit.“ Nach dem intensiven Trainingslager
in Rangsdorf war das erste und einzige öffentliche Auftreten
beim internationalen Militär-Fliegertreffen in Brüssel
in Belgien am 9. Juli 1939. Zum friedlich fliegerischen Wettbewerb
trafen sich dort, noch zwei Monate vor Kriegsbeginn, die Militärpiloten
von Frankreich, England, Italien, Schweiz und Deutschland.
2. Die LG+01 heute
Im
Imperial War Museum in Duxford, England steht heute wieder ein Bücker
Jungmeister in den Farben der LG+01. Er ist im Privatbesitz von
Stephen Grey in der "Fighter Collection". Das Museum in
Duxford liegt im Südosten Englands, auf dem Weg von London
nach Cambridge, ganz in der Nähe des bei heutigen Low-Cost
Fluggesellschaften beliebten Flughafens London-Stansted. Das Imperial
War Museum Duxford ist nicht nur für Flugzeugenthusiasten eine
Reise wert. Es ist ein "lebendes" Museum von beeindruckender
Größe
und Vielfalt der Exponate. Viele der ausgestellten Flugzeuge sind
nicht "ausgestopft" und tot, sondern sind liebevoll in
den flugfähigen Zustand restauriert und werden an den Wochenenden
und vor allem anlässlich der eindrucksvollen Flugshows in den
Händen erfahrener Piloten ihrem Element übergeben. Beim
Rundgang durch die Hallen sieht man die Arbeit der Restauratoren
und Flugzeugmechaniker. Den Flugzeugen merkt man an, dass sie in
Ihrem Hangar stehen - Mückenspuren an den Flügelvorderkanten
und die Ölwanne unter dem leicht tropfenden Motor erzählen
von dem letzten Flug in der Abenddämmerung.
Der
LG+01 der Fighter Collection in Duxford ist ein Do/Bü 133C,
ein von Dornier in Altenrhein in Lizenz gebauter Jungmeister. Es
handelt sich hierbei um die Werksnummer 38 - dieser Jungmeister
hat zunächst in der Schweizer Luftwaffe unter der Kennung U-91
seinen Dienst verrichtet. Danach befand es sich im Besitz verschiedener
bekannter Kunstflugpiloten und trug die Kennungen HB-MIW und D-EHVP.
Heute trägt die Maschine zwar die Farben und Kennzeichen der
LG+01, ist aber zivil als G-AYSJ registriert.
Im
Jahr 1995, bereits während seiner Zeit als LG+01 / G-AYSJ,
erlitt der Jungmeister im Flug einen Zylinderschaden mit einer in
der Folge sehr schnellen, aber überraschend sanften Landung.
Im Jahr 1996 wurden die Grundüberholten Teile des Siemens Sh
14A-4 sieben Zylinder Sternmotors wieder montiert und es wurden
Motortests durch die Firma VinTech durchgeführt. Die Motorprobleme
hielten jedoch an, sodass erst im Jahr 1998 das Flugzeug bereit
war den Inspektoren vorgeführt werden zu können. Inzwischen
hatte der Jungmeister auch einen recht teuren, neuen Hoffman Propeller
aus Deutschland erhalten.
In
einem Bericht von Niederländischen Besuchern des "Flying
Legends Air Display 1999" liest man, dass der Jungmeister dann
im Juli 1999 nach langer Pause wieder an der Flugshow teilgenommen
hat. Es wird berichtet, dass der Jungmeister von Anna Walker, einer
sehr attraktiven jungen Dame geflogen wurde. Anna Walker ist eine
Brasilianerin, die ihre eigene Bücker Jungmann bei verschiedenen
Flugshows in ganz England im Kunstflug vorfliegt. Es wird berichtet,
dass Anna Walker eine eindrucksvolle Kunstflugvorführung in
dem Jungmeister LG+01 dargeboten hat. Beeindruckend ist, dass dies
anscheinend erst der vierte Flug der Brasilianerin in diesem Flugzeugmuster
war.
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Quellennachweis:
1. Imperial War Museum Duxford: http://www.iwm.org.uk/duxford/index.htm
2. The Fighter Collection: http://www.fighter-collection.com/jungmeister/
3. Siegfried Wietstruk, "Bücker-Flugzeugbau“, Aviatic Verlag 1999
4. Erwin König, "Flugzeug Profile Nr. 29, Bücker Bü 133 Jungmeister“, Flugzeugs Publikations GmbH
Nr. 3+4 sind zu haben unter: www.bueckershop.com
5. F.H. Wahl, „Die Kunstflugstaffel der deutschen Luftwaffe“, Artikel aus der Bücker-Werkszeitschrift, Jahrgang, Nr. 10, Oktober 1939
Vielen Dank an Ben Rogers und Paul Nann, deren Fotos wir hier ihren freundlichen Genehmigungen reproduzieren. Ben Rogers unterhält mit flyvintage.com eine klasse Website, die sich mit News und Fotos aus der Welt der Fliegerei mit historischem Fluggerät beschäftigt. Paul Nann hat eine umfangreiche Photosammlung der militärischen Luftfahrt aufgebaut – vorbeischauen lohnt sich!
weitere Fotos der LG+01:
1. Fotogalerie Bü 133 Jungmeister, Galerie
4-10
2. Detailfotos Modellbaugalerie, Bü 133 Jungmeister, Galerie 4+5
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