| Märkische Allgemeine Zeitung vom 11.
September 2002
Vom Bücker-Treffen in Rangsdorf
Chefpilot Arthur Benitz war der Star
Ein vielfältiges Stimmengewirr erfüllte
das Bücker-Luftfahrt-Museum am vergangenen Samstag, als Mitglieder
des Fördervereins ehemalige Mitarbeiter der von 1935 bis 1945
in Rangsdorf tätigen Bücker-Flugzeugbau GmbH geführt
hatten und Erinnerungen auszutauschen begannen, motiviert von Fotos,
Dokumenten und Modellen der Ausstellung.
Mehr als 50 "Bückeraner" und Angehörige waren
der Einladung des Fördervereins zu einem Bücker-Treffen
gefolgt, das nach dem Museumsbesuch mit einer Zusammenkunft im "Seebad-Casino"
fortgesetzt wurde. Die Gäste kamen nicht nur aus der nächsten
Umgebung, waren beispielsweise aus Gütersloh, Lilienthal bei
Bremen, Essen, Bonn, Hamburg, Kronach, Herne, Waiblingen oder Stuttgart
und Budenheim angereist. Mit Werner Karsten war einer der früheren
Bücker-Lehrlinge sogar aus Frankreich angereist, um Bekannte
zu treffen und das ehemalige Werk zu sehen. Mit besonderem Beifall
aber wurde der inzwischen 93 Jahre alte Arthur Benitz begrüßt.
Ihn hatte der Förderverein jüngst zum Ehrenmitglied ernannt.
In Begleitung seiner Tochter Renate hatte er erstmalig nach 1945
diese Fahrt vom Rhein nach Rangsdorf unternommen. Bereits 1935 in
Berlin-Johannisthal hatte er bei Bücker begonnen, war dann
im Herbst des Jahres nach Rangsdorf in das neue Werk mit umgezogen
und hier bis 1945 als Chefpilot tätig.
Beim Abfahren von Panzern beschossen
Detailliert konnte er sich noch an den 20. April 1945 erinnern.
In der Nacht zuvor hatte er bereits im Betrieb geschlafen. Früh
um 8 Uhr erhielt er den Befehl, gemeinsam mit der Werksfeuerwehr
Richtung Nordwesten abzufahren. Mit der Familie ging es, unterwegs
bereits von sowjetischen Panzern beschossen, durch das von Flüchtlingen
vollgestopfte Potsdam, bis sie schließlich über Mecklenburg
nach Schleswig-Holstein gelangten.
Beim Treff im "Seebad-Casino" hatte zunächst Knut
Hentzschel als 1. Vorsitzender des Fördervereins alle Anwesenden
begrüßt und sich gefreut, dass so viele gekommen waren.
Zugleich informierte er, dass bedauerlicherweise wegen einer verweigerten
Unterschrift der Gemeinde das Bücker-Gelände zum Tag des
offenen Denkmals nicht für die Öffentlichkeit zugänglich
sein werde und auch die geplante Landung von Bücker-Flugzeugen
nicht erfolgen kann.
Dann gab es die Möglichkeit, dem Förderverein mitgebrachte
Materialien zu übergeben, die Ralf Gaida zum Teil gleich einscannte.
So übergab Gerda Köppen aus Neuhof aus dem Nachlass ihres
verstorbenen Mannes Joachim verschiedene Dokumente, darunter das
Flugbuch mit dem Nachweis der Segelflieger-Prüfungen A , B
und C.
Das Ehepaar Georg und Marga Schulz aus Kronach brachte ein Büchlein
mit Fotos von der Segelflugausbildung in Niederlehme, genannt "Modderlehme",
mit. Gisela Rosenberg aus Berlin legte Fotos, einen Betriebsausweis
und eine Teil-Monatskarte von ihrem Großvater Hermann Schelk
aus seiner Bücker-Zeit vor. Prof. Dr. Renate Graf aus Berlin
zeigte eine ganze Kollektion Fotos aus dem Bestand ihres Vater Alfred
Graf, einem der langjährigsten Bücker-Mitarbeiter. Die
Familie des bereits verstorbenen Werkspiloten Josef Beier aus Bonn
trug mit Fotos zur Bereicherung der Sammlung bei. Arnim Strampfer
spendete eine Eintrittskarte der Mutter für das Bad am Rangsdorfer
See. Das mag an Beispielen genügen, wie ehemalige Mitarbeiter
das Bemühen des Fördervereins unterstützen, ständig
die Sammlung zur Geschichte des Flugzeugwerkes zu komplettieren.
Abschließender Höhepunkt des Bücker-Treffs war dank
der Brandenburgischen Bodengesellschaft in Wünsdorf-Waldstadt
der Besuch des Bücker-Geländes bei strahlendem Sonnenschein.
Für all jene, die nicht motorisiert waren, stellte die Schule
am See, das Privatgymnasium, freundlicherweise den Kleinbus mit
Fahrer zur Verfügung.
Enttäuscht vom Anblick der Werksgebäude
Natürlich waren alle über die sanierten und unter Denkmalschutz
stehenden Bücker-Wohnbauten am ehemaligen Südkorso, heute
Walther-Rathenau-Straße, sehr erfreut. Umso größer
war natürlich die Enttäuschung beim Anblick der ebenfalls
unter Denkmalschutz stehenden Bauten des früheren Flugzeugwerkes,
obwohl vorher bereits auf den desolaten Zustand nach nunmehr acht
Jahren Leerstand aufmerksam gemacht worden war. Dennoch wurde der
Rundgang für alle Beteiligten ein emotional bedeutsames Ereignis,
verbunden mit zahlreichen Erinnerungen. Günter Schwarz aus
Wildau-Wendorf sagte: "Wir hatten hier als Metallflugzeugbauer
eine ausgezeichnete Lehrzeit mit hohem Niveau." Hildegard Kleiner
aus Wünsdorf, die in der Eingangskontrolle tätig war,
betonte: "Ich habe sehr gerne bei Bücker gearbeitet und
mich hier wohl gefühlt." Erika Pioch aus Essen erinnerte
sich, dass es ein Preisausschreiben für die Namensfindung für
die Bü 181 gab. Das Ergebnis war dann der Name "Bestmann".
So vielfältig die Erinnerungen, so einhellig positiv war die
Meinung aller Teilnehmer zum Treffen. Bei der Verabschiedung versäumte
es kaum jemand, sich für die Einladung und den so erlebnisreichen
Tag zu bedanken, ebenso für die Mappe mit Fotos und Dokumenten,
die der Förderverein für alle vorbereitet hatte. Foto
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