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Märkische Allgemeine Zeitung, 19. März 2000
Flugzeug-Hersteller will nach Rangsdorf
Ansiedlungschancen sind zweifelhaft
Rangsdorf "Dieses Gelände ist geeignet", war
die Meinung jener Delegation, die am 12. März 1935 unter Leitung
des Ministerialrates von Bismarck Rangsdorf besuchte und die Wiesen
und Felder südlich des Dorfes zwischen der Bahnstrecke Berlin-Dresden
und dem Rangsdorfer See sowie den See selbst besichtigte. Kurz danach
fiel im Reichsluftfahrtministerium (RLM) die Entscheidung, hier
einen Land- und Wasserflughafen anzulegen, am Rangsdorfer See ein
Haus des Aero-Clubs von Deutschland zu bauen und am Nordrand des
geplanten Flugfeldes eine Reichsschule für Motorflug (RfM) , drei
Flugzeughallen und ein Flugzeugwerk zu errichten. Im Mai 1935 begannen
die ersten Arbeiten. Im Herbst des Jahres nahm die Bücker-Flugzeugbau-GmbH,
seit Oktober 1933 in Berlin-Johannisthal tätig, im neu erbauten
Werk in Rangsdorf die Produktion ihrer Schul- und Sportflugzeuge
Bü 131 Jungmann und Bü 133 Jungmeister auf. Am 30. Juli 1936, am
Vorabend der Olympischen Spiele von Berlin, wurde der Reichssportflughafen
Rangsdorf in Anwesenheit zahlreicher Sportflieger aus ganz Europa
offiziell eröffnet.
Rangsdorf wurde in den folgenden Jahren zunehmend weltweit bekannt.
Die Sportfliegerschule war die einzige in Deutschland, an der auch
Ausländer ausgebildet wurden. Das Haus des Aero-Clubs sah beispielsweise
nicht nur Heinz Rühmann, Elli Beinhorn, Bernd Rosemeyer, Gerd Achgelis
und Ernst Udet, sondern oftmals auch internationale Sportflieger
als Gäste. Der Flughafen, als "schönster Sportflughafen von Deutschland"
bezeichnet, war wiederholt Austragungsort von Flugsportveranstaltungen
mit Beteiligung ausländischer Sportflieger. Vor allem aber trugen
Bückers Sportflugzeuge zum weltweiten Ruf von Rangsdorf bei. Der
zweisitzige Doppeldecker Bü 131 Jungmann wurde in 23 Staaten verkauft.
Den einsitzigen Doppeldecker Bü 133 Jungmeister nannte man berechtigt
das beste Kunstflugzeug der Welt, wurden mit ihm doch zahlreiche
nationale und internationale Kunstflugwettbewerbe gewonnen.
Diese Entwicklung wurde abgebrochen, als Hitlerdeutschland 1939
mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg auslöste, der unzählige
Opfer forderte und unermessliches Leid über die beteiligten Völker
brachte. Der Rangsdorfer Flugplatz übernahm nach Kriegsbeginn trotz
Nutzung als Fliegerhorst der Luftwaffe noch kurzzeitig von Berlin-
Tempelhof die Funktion als Verkehrsflughafen von Berlin. Vom 4.
Oktober 1939 bis 6.. März 1940 starteten und landeten in Rangsdorf
die Passagiermaschinen der Deutschen Lufthansa ebenso wie beispielsweise
ab Januar 1940 die Flugzeuge der sowjetischen Aeroflot, nachdem
der Linienflugverkehr zwischen Berlin und Moskau wieder aufgenommen
worden war.
Bis zum April 1945 war Rangsdorf ein Fliegerhorst der Luftwaffe.
Dominierten zunächst Schul-, Kurier-, Wetter- und Transportflugzeuge,
tauchten im Kriegsverlauf auch für Geheimaufträge genutzte Beuteflugzeuge
und schließlich Kampfverbände auf. Durchgängig bis 1945 nutzte das
Bücker-Werk den Flugplatz als Werkflugplatz, wurden doch auch im
Krieg Bücker-Schulflugzeuge, vor allem der Tiefdecker Bü 181 Bestmann,
gebaut. Eingeflogen werden musste aber auch der hier produzierte
Lastensegler DFS 230, der unter anderem zur Rüstungsproduktion gehörte,
für die auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt waren.
Am 22. April 1945 nahm die Rote Armee kampflos den Ort und den Flugplatz
mit allen angrenzenden Bauten ein. Nun- mehr nutzte die Luftwaffe
der Sowjetunion den Flugplatz mit zunächst wechselnden Einheiten.
Im Flugzeugwerk begann 1946 eine Instandsetzungseinheit Flugzeuge
und Flugzeugmotor zu reparieren und zu überholen. Von den siebziger
Jahren an erfolgte die Instandsetzung von Hubschraubern, zuletzt
vom Typ Mi-8. Von anderen Einheiten wurde der Flugplatz fliegerisch
bis Mitte der 50er Jahre genutzt. Von 1956 bis 1994 war als zweite
Garnison in Rangsdorf im westlichen Teil am Rangsdorfer See ein
Nachrichtenregiment der 16. Luftarmee der WGT stationiert. Seit
dem Abzug des Militärs im Jahre 1994 sind nunmehr sechs Jahre vergangen.
Die Bauten der 30er Jahre, die wegen ihrer architektur- und luftfahrthistorischen
Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt wurden, sind in dieser Zeit
des Leerstandes nicht nur Wind und Wetter ausgesetzt gewesen. Vandalen
förderten das Werk der Zerstörung. Eine schnellstmögliche Sanierung
und sinnvolle Nutzung, wie bei den Bücker-Wohnbauten in der Walther-Rathenau-Straße
1999 begonnen, ist überfällig. Das zu unterstützen und die Erinnerung
an die Rangsdorfer Luftfahrtgeschichte durch eine museale Dauerausstellung
zu erhalten, sind wichtige Anliegen der hiesigen Mitglieder der
Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte
e. V. (BGSL) und des am 25. März 1995 gegründeten Fördervereins
Bücker-Museum Rangsdorf e. V. Die Modellbauer des Rangsdorfer Vereins
und ihre Jugendgruppen sind ständig auf dem unter Denkmalschutz
stehenden Flugfeld präsent, haben hier einen Modellflugplatz angelegt
und verbinden so eine wertvolle Freizeitbeschäftigung mit der Traditionspflege,
wobei Bücker-Flugzeuge als Modell keineswegs fehlen.
Bücker-Flugzeuge begründeten einst den Weltruf von Rangsdorf als
Stätte vorbildlicher Qualität im Flugzeugbau. Bücker-Flugzeuge gehören
noch heute zu den beliebtesten Oldtimern in der Luft, ob in Europa
oder in Amerika. Die Nachfrage nach Bücker- Flugzeugen ist sogar
wieder gewachsen.
Das führte dazu, dass sie beispielsweise in den USA und in unserem
Nachbarland Polen erneut gebaut werden. So fertigt der polnische
Oldtimer-Spezialist Janusz Karasiewiecz in seiner Firma in Jasienica
seit mehreren Jahren die Bü 131 Jungmann, die inzwischen auch in
Deutschland verkauft und geflogen wird. Fachleute bestätigen diesem
Neubau eine ausgezeichnete Qualität. Der Betrieb hat bereits Aufträge
für weitere zwei Jahre und möchte seine Produktion jetzt dorthin
verlegen, wo die Bücker-Flugzeuge einst gebaut wurden - nach Rangsdorf.
Für alle, die wieder Fluglärm befürchten, sei gesagt: So originalgetreu
die neugebauten Doppeldecker aussehen, so besitzen sie mit dem tschechischen
LOM-Motor mit Schalldämpfer ein anderes Triebwerk, das mit seinen
Schallwerten deutlich unter den heute geforderten liegt. Übrigens
beträgt die Produktion monatlich ein Flugzeug, und der Flugplatz
würde ausschließlich als Werkflugplatz genutzt. In den Händen der
gewählten Abgeordneten liegt es nun, ob diese einmalige Chance,
Rangsdorf wieder zum Standort von Bücker-Sportflugzeugbau werden
zu lassen, genutzt oder vertan wird. Foto
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