|
Märkische Allgemeine Zeitung vom 20. Dezember
2001
"Wir hoffen alle auf die Brücke"
In den Bücker-Flugzeugwerken Rangsdorf kämpft
man gegen den Verfall
Rangsdorf Es ist kalt, feucht und düster. Wer
die Augen schließt, wähnt sich in einer Grotte. Jeder platschende
Ton, mit dem ein Regentropfen auf die rötlichen Steinkacheln fällt,
hallt hohl voll den hohen Wänden wider. Das Dach der ehemaligen
Produktionshalle der Bücker- Flugzeugwerke in Rangsdorf hat dutzende
von Löchern durch die die Tropfen fallen. Auf dem Boden sammeln
sie sich in glänzenden Lachen. Die älteren schimmern grünlich, sie
haben bereits Moos angesetzt.
Seit dem Abzug der Russen vor sieben Jahren sind die Gebäude auf
dem Gelände der Bücker -Flugzeugwerke ungenutzt: Das hat den Verfall
der 1997 unter Denkmalschutz gestellten Industrieanlage rapide beschleunigt.
Seit Mai diesen Jahres kämpfen Handwerker gegen die Bauschäden an
dem Gebäudeensembles, das vom Gropius-Freund Otto Meyer-Ottens im
Bauhausstil entworfenen wurde. "Notsicherung" nennt es Heinz Bähr
von der Brandenburgischen Bodengesellschaft, die die Bücker- Werke
treuhänderisch verwaltet, während das Land Brandenburg Eigentümer
der ehemals unter russischer Verwaltung stehenden Liegenschaft ist.
Gemeint ist lediglich, "das Wasser rauszuhalten", sagt Bähr. Also
die Dächer zu flicken. 150 000 Mark wurden bisher für handwerkliche
Arbeiten aus dem Sondervermögen des Landes von der BBG bezahlt.
Außerdem holen 20 Arbeiter Schutt und Schrott aus den Räumen. Diese
Räumungsarbeiten laufen gesondert über eine ABM. 900 000 Mark wird
die Notsicherung nach Schätzung der BBG insgesamt kosten. Knapp
200 000 Mark sind für das nächstes Jahr eingeplant. Für eine dauerhafte
Sanierung allerdings sind 3,5 Millionen Mark nötig. "Das ist zu
viel für uns", sagt Bähr. Die BBG werde sich deshalb auf die Hauptgebäude,
also auf Kantine, Verwaltung und Produktionshalle, beschränken.
"In der Kantine sah es besonders schlimm aus", sagt Hiltrud Preuß
von der Unteren Denkmalschutzbehörde in Luckenwalde. "Da stand das
Wasser drin und der Schwamm saß in den Wänden." Wolfgang Sieke,
der die Aufräumarbeiten leitet, erzählt von Chemikalien im Keller,
deren russische Beschriftung nur mit Hilfe zweier Spätaussiedler
aus seiner Truppe entziffern werden konnten. Sieke: "Die waren einfach
so in normale Flaschen gefüllt."
Das Gelände birgt noch andere Gefahren: " Tankstellen und Tanklager
etwa. Die Gutachten zu den Altlasten liegen vor. Die BBG arbeitet
nicht nur eng mit den Denkmal-, sondern auch mit den Bodenschützern
zusammen, mit Erfolg. An mangelnder Kooperation wird das Vorhaben
nicht scheitern, höchstens am Geld. Es bestehe die Gefahr, dass
das Sondervermögen aufgelöst und dem Landeshaushalt zugeschrieben
werde. Dann könnte es schwer werden, Geld für die Werke zu sichern,
erläutert Hiltrud Preuß. Das wäre fatal, denn das Projekt ist zu
groß für einen privaten Investor. Sind die Häuser allerdings saniert,
herrschen optimale Bedingungen für eine Nachnutzung. "Mit einer
solchen Halle hat man viele Möglichkeiten", sagt Hiltrud Preuß.
Aus Denkmalschutzgründen kann nämlich frei hinzugefügt, nicht aber
weggenommen werden. Ein großzügige Halle ist also ideal. Eine Sportstätte
oder eine gewerbliche Nutzung wären vorstellbar, so Preuß. Ein Problem
ist das Nadelöhr am Bahnübergang. " Wir hoffen alle auf die Brücke",
sagt Rangsdorfs Bürgermeister Peter Gleich. Denn es ist ein Teufelskreis:
Für die Erschließung mit Wasser- und Abwasser braucht die BBG Fördermittel
vom Land, die gibt es nur. wenn sie Investoren vorzeigen kann, die
wiederum werden erst kommen, wenn die Anbindung günstig ist. "Bis
dahin müssen wir die Gebäude erhalten", so Bähr. Er hofft mit dem
Verkauf von Wohnbauflächen auf dem 150 Hektar großen Areal nächstes
oder übernächstes Jahr einige Millionen Mark in die Kasse zu bekommen,
um die Erschließung der Werke weiterzutreiben. Die Bücker- Werke
sind ein Pfund, mit dem man wuchern könnte, sagt Hiltrud Preuß,
sind es doch die letzten noch original erhaltenen Flugzeugwerke
Deutschlands. Ihre Bedeutung als geschichtliches Zeugnis für den
Flugzeug- und Industriebau gilt es zu nutzen. Foto 1
/ Foto 2
/ zurück
|